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Die Wirtschaft ist wichtiger als der Mensch oder ist es umgekehrt?

by Carsten Kreilaus. Average Reading Time: about 3 minutes.

Die Wirtschaft ist der allgegenwärtige Motor. Immer und überall zieht diese für uns die Strippen, sogar in der Politik. Dabei kennt die Wirtschaft nur ein Gesetz: ständiges und grenzenloses Wachstum ohne Bedingungen. Allein bei der Grenzenlosigkeit müsste dem normalen Verstand einleuchten, dass dies im Widerspruch zu unserer Natur steht. Weder wir noch die natürlichen Ressourcen können grenzenlos sein. Ausbaden muss und wird es eine zukünftige Generation.

Die Gegenwart zeigt uns immer mehr Anzeichen für das Scheitern der Wirtschaftsmaxime. Da haben wir den Wachstum der Bevölkerung sowie einem Bankensystem ohne Vertrauen, beginnende Kämpfe um die knapper werdenden Rohstoffe und Treibhauseffekte, den drohenden Staatsbankrott in Griechenland sowie die hohen Staatsverschuldungen vieler Länder. Das Leben auf Pump ist ein allgegenwärtiges Systemproblem. Wir finanzieren uns Dinge, die wir uns nicht leisten können. Ein einfaches Gesetz zählt nicht mehr: wir können nur soviel ausgeben, wie wir einnehmen! Finanzierung ist ok, solange wir entsprechende Sicherheiten, sprich Vermögenswerte, dagegenstellen können. Was für Privatleute der Grundsatz sein sollte, zählt anscheinend weder für die Politik noch für die Unternehmen: keine ungedeckten Verbindlichkeiten. Diese leben in einer Scheinwelt in der Nachschub keine Rolle spielt. Aber wer zahlt die Rechnung? Irgendwann will diese beglichen werden, heute wird gehandelt als ob uns das Morgen nicht interessiert. Die Politik denkt bis zur nächsten Abwahl, die Unternehmensmanager bis zum nächsten Job und der Kapitalmarkt lediglich an den Profit. Geld fordert immer mehr Geld. Auf der Strecke bleiben unsere Kinder und die zukünftige Generationen. Diese Haltung ist egoistisch und in keinem Fall nachhaltig. Im Finanzmarkt treiben die Spekulationen ihr irrwitziges Spiel. Es wird viel mehr gehandelt, als es in der Realität gibt und benötigt wird. Die virtuell gehandelten Rohstoffe verdeutlichen dies. Die Wetten auf die Zukunft übersteigen dabei ein vielfaches der verfügbaren physischen Menge der gehandelten Produkte. Das alles macht die tägliche Verschwendung deutlich. Wie heißt es so schön für die westlichen Staaten: wir leben in einer Überfluss-, respektive Wegwerfgesellschaft. Hilft uns nicht gerade dabei unsere Umweltprobleme und die Verschwendung in den Griff zu bekommen. Auf der einen Seite der Welt mangelt es an allem, auf der anderen Seite haben wir von allem zu viel. Das Wissen darum ist irgendwie komisch. Unterstellen wir den Homo oeconomicus so handelt dieser effizient im Umgang mit den gegebenen Mitteln, er sucht nach einem optimalen Auslastungsgrad. Verschwendung hat aber nichts mit diesem Ideal zu tun. Warum passiert trotzdem die tägliche Verschwendung bei gleichzeitigem Mangel? Die Antwort aus einer stark vereinfachten Sichtweise heraus: weil die Wirtschaft so funktioniert und unser Denken auf ständiges Wachstum und Konsum hin getrimmt hat. Dort wo Mangel herrscht, streben die Menschen nach Überfluss. Absolut menschlich diesen ständigen Überlebenskampf nicht ausfechten zu wollen, von einem besseren, westlichen Leben zu träumen. Außer Acht und nicht gelehrt werden die Alternativen. Der westliche Kapitalismus ist der anzustrebende Maßstab.

Gründe und Ausreden fürs Nichthandeln gibt es zahlreiche. Diese reichen von Bequemlichkeit über Ignoranz bis hin zu Egoismus und Nichtwissen. Dabei verfügen wir sowohl über die Technologien als auch das Wissen um das Hier und Jetzt lebenswerter, sozialer und umweltgerechter zu gestalten. Das Problem nur, wir handeln nicht danach. Wir stehen uns selbst im Weg. Warum? Gerade in der Krise sind wir uns die Nächsten, wer möchte schon einen Schritt rückwärts gehen, vorwärts ist die Marschrichtung. Aus diesem Teufelskreislauf müssen wir raus, ein grundsätzliches Umdenken her. Ein gutes Motto für eine nachhaltige Einstellung: zwischen den beiden großen Unendlichkeiten sollten wir uns a) nicht so wichtig nehmen und b) dankbar sein für jeden Tag. Dies als eigener Antrieb dürfte dem Respekt gegenüber Mensch, Tier und Umwelt deutlich auf die Sprünge helfen. Gegen Geld verdienen spricht nichts, unsere Maßlosigkeit, die sinnlosen Verwendungszwecke sind das Problem. Ein bewusster Konsum und Verzicht kann die Nachfrage und damit einhergehend die Unternehmen in die richtige Richtung drängen. Mit Geld können wir etwas zum Besseren bewirken, der greener-life ist definitiv unsere Zukunft. In der nachhaltigen Wirtschaft liegt eine große Chance, für uns selbst, für Unternehmen und für unsere Welt.

In diesem meinem Sinne, bis zum nächsten Mal.

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5 comments on ‘Die Wirtschaft ist wichtiger als der Mensch oder ist es umgekehrt?’

  1. Kristina sagt:

    Ein wirklich wirklich guter und gelungener Artikel, der mir einfach aus der Seele spricht. Sie haben es geschafft, das in Worte zu fassen, was ich nicht konnte.

  2. Carsten sagt:

    Gute Ansätze, Befreiung vom Überfluss – Interview mit Prof. Dr. Niko Paech: http://meinbayern.gruene-bayern.de/blog/2012/05/02/befreiung-vom-uberfluss-interview-mit-prof-dr-niko-paech/

  3. Carsten sagt:

    Die NZZ Ausgabe vom 29.02. widmet sich dem Thema Geld, fordert Effizienz und Gerechtigkeit in der Ökonomie sowie vernünftig und unorthodox denkende Köpfe für eine bessere Welt mit mehr Offenheit, Ehrlichkeit, Gleichwertigkeit und ökologischem Wandel: http://www.nzz.ch/magazin/campus/studium/auslauf-modelle_1.15319460.html

  4. Carsten sagt:

    Unterhaltsamer Hollywood-Film zur Finanzkrise 2008: „Der große Crash“, deutscher Trailer unter http://youtu.be/aiqNwwPI7pQ

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