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Management by respect

by Carsten Kreilaus. Average Reading Time: almost 4 minutes.

Wachstum um jeden Preis und bis in alle Ewigkeit. Das ist die Devise und die gängige Praxis unseres bisherigen Wirtschaftsstrebens. Aber ist es auch wirklich erstrebsam oder gibt es mehr als das Wachstum um jeden Preis? Warum nicht endlich ein neues Kapitel der Wirtschaftsgeschichte aufschlagen. Was ich damit meine ist eine Ökonomie des Respekts. Das Wort bedeutet nichts anderes, als dass man sich in den Augen anderer wiedererkennt. Und darum geht es: Wenn die Kunden vielfältige Haltungen, Kulturen, Meinungen, Herkünfte und Bedürfnisse haben, dann muss sich das in dem, was wir tun, auch widerspiegeln. Das Ziel: nicht weniger als ein Umdenken des heute bekannten Wirtschaftssystems einzuleiten, hin zu einem Streben nach Ehrlichkeit, Ethik und Fairness, für ein zufriedenes und glückliches Leben. Die Prinzipien für ein danach handelndes Unternehmen: Freiheit und Verantwortung, Gemeinschaft und Wettbewerb, Dienst an der Gesellschaft und satte Gewinne. Diese nur scheinbaren Gegensätze sollten in einem nachhaltigen, weil sozial und ethisch verantwortlichem Wirtschaften münden und den Unternehmen alternative Wege aufzeigen, jenseits des reinen Profitstrebens.

Der Wirtschaftsalltag hingegen sieht anders aus. Wachstum wird durch Schulden finanziert. Egal ob Unternehmen, Privatpersonen oder der Staat. Die Neuverschuldung bedeutet immer eine Verschiebung der Probleme von heute in die Zukunft. Denn irgend jemand muss am Ende die Zeche zahlen. Aber auch Privatpersonen kaufen immer mehr auf Pump. Völlig ausgeblendet scheint eine ganz logisch anmutende Regel zu sein: Wir können nicht mehr ausgeben als wir einnehmen. Wo bliebe da aber der Konsumspaß. Die Denkmuster der Gesellschaft sind so geprägt, dass wir ungehemmt einkaufen gehen, auch wenn wir es uns nicht leisten können. Die Unternehmen profitieren natürlich von diesem Absatz und gehen mit bestem Beispiel voran. Wachstum wird oft nicht mit innerem Wachstum finanziert, sondern durch Kredite. Shareholder Value mag aber kein organisches Wachstum, sondern ist der kurzfristgen maximalen Verzinsung des eingesetzten Kapitals hörig. Das verträgt sich aber meist schlecht mit organischem Wachstum. Auch der Staat ist kein gutes Vorbild für uns: die rekordverdächtige Staatsverschuldung belastet zukünftige Generationen. Sicher könnte man zugute halten, dass Schulden nicht per se schlecht sind, nur der verkorkste Umgang mit diesen. Wenn wir, die Unternehmen, der Staat die gleiche Summe im Haben hätten, so dass jederzeit zurückgezahlt werden könnte, ja dann spricht sicher nichts dagegen. Eine Entschuldung der Privatpersonen, Unternehmen und des Staates ist sicher ein guter Schritt für eine nachhaltigere Wirtschaft.

Bonizahlungen sind auch so ein Kapitel für sich und nicht gerade das perfekte Anreizsystem für ein nachhaltiges Wirtschaften im o.g. Sinne. Ist doch auch logisch und menschlich absolut verständlich. Wenn die Bonushöhe davon abhängig ist, wieviel Gewinn die entsprechend zu verantwortende Kostenstelle macht, dann liegt es in der Natur der Sache, die Kosten niedrig und Gewinne hoch zu halten. Je weiter diese Schere aufgeht, desto höher der Bonusanspruch. Soziale, ethische und auch ökologische Investitionen sind eher ein Investment in die Zukunft und damit nicht unbedingt ein sofortiger Gewinnbringer. Wenn  also die Bonihöhe an nachhaltige Investitionen gekoppelt wäre, diese zusätzlich nach oben in der Höhe limitiert, dann könnten wir dem Ziel einen Schritt näher kommen.

Steuern sollen dem Ziel der sozialen Gerechtigkeit dienen. Meinem Empfinden nach ist das jetzige System aber eher ungerecht, da es viel Ausnahmen, Abschreibungsmöglichkeiten und Schlupflöcher für höherverdienende Einkommensschichten bietet. Das Steuersystem müßte mal radikal simplifiziert und der heutigen Zeit angepasst werden. Heutige Ehen sind bspw. nicht mehr automatisch mit Kindern gleichzusetzen. Als Doppelverdiener aber die gleichen Incentivierungen zu geniessen wie Familien mit Kindern halte ich für nicht zielführend. Da wird schon mal die ein oder andere Ehe aus steuerlichen Gründen beschlossen.

Es gibt hier sicher noch zahlreiche Stichworte, die eine Ungerechtigkeit im heutigen System aufzeigen. Aber Sinn dieser Kolumne ist nicht die vollständige Aufklärung oder gar die neue Wirtschaftsethik zu erfinden, sondern ein Bewußtsein zu schaffen für weiterführende Gedanken, die zu Ideen heranreifen und Taten folgen lassen. Mein Wunschgedanke: Wir müssen heute für morgen umdenken und für zukünftige Generationen Verantwortung übernehmen. Dafür muss jeder einzelne von uns Gewohnheiten verändern. Niemand kann und soll dazu gezwungen werden, aber wir alle können ein Vorbild sein und Veränderungen bewirken. Wenn wir bspw. unsere Konsumgewohnheiten verändern, können wir damit das Angebot verändern, müssen sich Unternehmen ändern, ändert sich das Spiel. Voraussetzung dafür: Ein bißchen mehr Selbstlosigkeit in allen Lebenslagen. Warum nicht auch Taten folgen lassen, einen Wiki aufsetzen und gemeinsam im Internet eine neue Wirtschaftsethik verfassen …

In diesem meinem Sinne, bis nächsten Sonntag.

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2 comments on ‘Management by respect’

  1. Carsten sagt:

    Eine Ergänzung zu meinem Artikel. Das System an sich ist nicht per se böse. In der aktuellen brand eins 09/2011 „Gut & Böse“ gibt es dazu den Artikel „Das Gute und die Bösen“, von Wolf Lotter. Dieser beschreibt warum Wirtschaft und Ethik zusammengehören, warum vieles besser wird und warum ohne Vertrauen die praktische Ökonomie nicht funktioniert. http://www.brandeins.de Lesenswert für den Durchblick.

  2. Farid sagt:

    Mahlzeit, ich bin mal so frei und poste mal was im Blog. Sieht super aus! Ich beschaeftige mich auch seit kurzem mit WordPress steige aber noch nicht durch alle Funktionen durch. Dein Blog ist mir da immer eine gute Motivation. Weitermachen!

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