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Herr Apparatschik sieht rot

by Carsten Kreilaus. Average Reading Time: about 2 minutes.

Zum 01. Januar 2012 soll sie kommen, die Hygiene-Ampel für die Gastronomie. Später auch für weitere Lebensmittelbetriebe, wie Bäcker, Metzger & Co. Das Ziel: mehr Hygiene in Lebensmittelbetrieben sowie Transparenz für den Verbraucher. Soweit, so gut und das Ziel ist klasse. Den jetzt beschlossenen Weg der Ampel halte ich allerdings für eine ABM-Maßnahme der Politik und als solches ein Paradebeispiel für ein noch mehr an Verwaltung und Regulierung, Kontrollwahn, wie auch immer. Es sind bereits knapp 2.500 Lebensmittelkontrolleure unterwegs und laut Aussage der Regierung ohnehin schon überfordert und unterbesetzt. Wie – oder besser formuliert – von wem sollen dann die 190.000 Gaststätten ständig kontrolliert werden? Und eine Kontrolle in Echtzeit ist hier der Fairness wegen zwingend notwendig. Macht man die Kontrollergebnisse sichtbar, dann müssen auch Verbesserungen unmittelbar gekennzeichnet werden. Auch ist die Fluktuation in den Betrieben sehr hoch, mit neuem Besitzer auch das Thema Sauberkeit evtl. anders behandelt. Was ist mit einem geläuterten und einsichtigen Besitzer, der die Hygiene auf Vordermann bringt, aber mangels laufender Kontrolle keine grüne Ampel erhält. Ich würde unken, dass der Pleitegeier mangels Gästen vor dem nächsten Kontrolleur kommt. Damit ist eine Ungerechtigkeit vorprogrammiert. Es sei denn, es wird ein Heer von Kontrolleuren installiert, die alle bezahlt werden wollen. Ich tippe hier auf einen ordentlich großen Haushaltsposten, der letztlich vom Gast und Wirt über Steuern zu begleichen ist.

Wie gesagt Mehr-Hygiene ist immer wünschenswert. Ich meine jedoch, dass sich dies in der Gastronomie ohnehin über uns Gäste selbstreguliert, wir mündig genug sind. Eine schlechte, schmuddlige „Küche“ sieht uns Gäste einmal und dann nie wieder. Früher oder später wird mangels Gästen eine solch betriebenes Restaurant dicht machen müssen. Ist die Fluktuation u.a. nicht auch deswegen so hoch? Warum also an der Tür einen Komm-Rein-Bleibe-Besser-Draussen Indikator zusätzlich aufhängen. Ich sehe hier massives Missbrauchspotenzial aufkommen und einen lukrativen Markt für Menschen mit krimineller Ader. Denn: welcher mit gelb oder rot bewerteter Gastronom läßt seine Ampel so vor dem Restaurant hängen, kann er auch gleich dicht machen. Eher besorgt er sich schnellstens eine auf grün Stehende auf dem Schwarzmarkt. Da hilft auch die Ampel im Internet nicht. Welcher Gast macht dort dauernd einen Abgleich der Ampel-Wahrheit!

Alles in allem: ist der Nutzen hier tatsächlich höher als der dafür notwendige Aufwand? Ich bezweifele dies, halte dieses Vorhaben für nicht praktikabel und bin für die rote Ampel für die Hygiene-Ampel.

In diesem meinem Sinne Guten Appetit und bis nächsten Sonntag.

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One comment on ‘Herr Apparatschik sieht rot’

  1. Stefan sagt:

    Wie heisst das Plugin an der Seite ? Das moechte ich auch!

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