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Passagierflugzeug oder Viehtransporter?

by Carsten Kreilaus. Average Reading Time: about 2 minutes.

Liebe Fluglinien,

mich beschleicht das Gefühl immer weniger Platz im Flugzeug zu haben. Mit einer Größe von 173 cm liege ich in Deutschland unterhalb der großen Mitte von 175 – 184 cm, wo die meisten Männer sich tummeln. Meine Beine sind auch nicht die längsten, trotzdem wurde die Beinfreiheit über meine Flugjahre immer begrenzter. In Träumen wünsche ich mir das ein oder andere Mal höher gewachsen zu sein. Beim Fliegen bin ich froh über meine Statur. Es bedeutet eine relativ bequeme Sitzposition, mit noch mindestens einem Zentimeter Abstand bis zum direkten Sitzkontakt des Vordermanns. Ärmer dran sind alle anderen, die Größeren. Schon früher habe ich mich über die ersten drei Reihen in Kinos gewundert. In den Sälen gibt es – noch – kein Platzproblem zwischen den Stuhlreihen, dafür in den Vorderreihen eine Genickstarre als Gratiszugabe mangels Abstand zur Leinwand. Zurück zum Flugzeug. Die Motivation immer mehr Sitzreihen in eine Maschine zu pressen, ergibt aus betriebswirtschaftlicher Betrachtungsweise durchaus Sinn für das jeweilige Unternehmen. Aus Controlling-Sicht und der Skaleneffekte wegen, ist das sogar zu begrüßen. Die durchschnittlichen Kosten pro Sitz sinken. Das ist gut und sieht im Reporting grandios aus. Gute Arbeit!

Im A320 war´s extremer.

Im A320 war´s extremer.

Sobald der Mensch auf den reinen Kostenfaktor und abstrakte Zahlen reduziert wird, mag das in der kurzfristigen Bilanz positiv bewertet werden. Mittelfristig ergibt das unzufriedene Kunden, was diese veranlasst Alternativen in Betracht zu ziehen. Nun mögt ihr – liebe Fluglinien – zu Recht sagen, es gibt keine Alternative für den schnellen Transfer auf längeren Strecken. Mag sein, dass eure Kunden nur zum Teil auf Bahn & Co. umsteigen oder gar auf die ein oder andere Reise verzichten. Diese arrogante Einstellung hatten bereits andere Branchen, die innerhalb kurzer Zeit am Abgrund standen oder stehen. Das Zauberwort ist Disruption. Da draußen sind sicher Konzepte in der Prüfung. Geld für Investment ist genug vorhanden und andere Anlagemöglichkeiten derzeit begrenzt. Wer wagt, der gewinnt und es gibt immer eine Alternative. Am Ende ist es vielleicht DER Wettbewerbsvorteil.

Daher mein Appell an alle Fluglinien: hört auf Konzepte zu planen wie ihr mehr Sitzreihen unterbringt oder gar Hockersitze andenkt – wo wir Passagiere halb stehend und eingehänkt – wie Vieh transportiert werden. Alle Freiheit unseren Beinen! Denkt lieber daran wie ihr uns helfen könnt bequem und einfach zu einem guten Preis von A nach B zu kommen. Fragt uns, was wir wollen und nehmt uns nicht aus der Gleichung! Andernfalls wünsche ich mir schnellstens findige Unternehmer á la Uber, airbnb, etc. für die Entwicklung einer neuen Flugmobilität. Zeit wird’s. Mich habt ihr dann an Board!

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