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Ohne Chaos keine Ordnung

by Carsten Kreilaus. Average Reading Time: about 2 minutes.

Alle streben die Ordnung an, das Chaos ist verpönt. Fragen wir in der Runde nach, siegt die Ordnung über das Chaos. Die Mehrheit befürwortet die Ordnung. Diejenigen, die sich über das eigene Chaos bewusst sind, verneinen ihr Ich. Die Sozialisation steht ihnen im Wege. Es lebe die Ordnung. Die Ordnung ist unser Bestreben, unsere Idealvorstellung vom Leben.

Warum das so ist, ist einfach erklärt. Wir empfinden das Leben als komplex, kompliziert und anstrengend. Wir glauben nicht es im Griff zu haben. Wird doch alles immer schneller, schwieriger. Das Leben in Echtzeit verlangt uns einiges ab. Das Chaos kann nicht gut sein. Chaos ist Unordnung. Chaos ist kein gradliniger Prozess und unberechenbar. Ich kann mich aufs Chaos nicht verlassen. Weiß nie, was dabei herauskommt. Das Chaos kostet Kraft, ist nicht durchschaubar. Daher sehnen wir uns nach Ordnung. Warum bloß haben wir die Zeit erfunden? Logisch, ein weiterer Gradmesser für die Ordnung. Unsere Sehnsucht lässt uns ständig alles in Strukturen einordnen wollen. Die Ordnung verspricht uns Transparenz, Einfachheit und ein geordnetes Leben. Alles ist so klar, so verständlich. Ja, greifbar und durchaus berechenbar. Wir glauben an die Berechenbarkeit des Lebens, der Arbeit. Deshalb pressen wir gerne alles in eine Struktur, drücken allem und jedem unseren eigenen Stempel auf. Das ist richtig so, na klar.

Aber, wir vergessen eins: Die Ordnung als Ziel ist ein Zustand ohne Weiterentwicklung. Der Stillstand. Das Leben an sich ist aber kein Stillstand, sondern ein ständiger Fortschritt. Unberechenbar. Unvorhersehbar. Da hilft keine Statistik. Die Annäherung ist erlaubt. Aber was erreichen wir dadurch? Bringt uns dies weiter als die Akzeptanz des Chaos. Wir können nicht alles und jeden beherrschen. Die absolute Kontrolle ist zum Scheitern verurteilt. So funktioniert das Draußen nicht. Auch nicht in der täglichen Arbeit. Das Leben ist voller Überraschungen. Zufälle, die sich unser Kontrolle entziehen. Unberechenbar. Ohne diese unkontrollierbaren Ereignisse wären wir nicht hier und könnten und darüber Gedanken machen. Das Leben ist nicht entstanden, weil dies jemand geplant hat, sondern aus dem Zufall heraus. Der Zufall bedeutet Chaos. Und gerade deshalb ist unser Leben nicht unser Schicksal, sondern wir sind unseres eigenen Glückes Schmied. Wir haben unser Leben in der Hand und die Verantwortung dafür. Das Abwarten auf die schicksalhafte Fügung bringt allenfalls kurzfristige Motivation. Es zählt das Bewusstsein über unsere eigene Wirksamkeit und das anschliessende Handeln. Der Ordnung hinterherzurennen macht uns verrückt. Es kann uns bereichern, wenn wir das Chaos akzeptieren. Das Chaos ist gut. Das Chaos ist die Basis unseres Lebens. Ohne Chaos keine Ordnung. Das ist wie mit dem Lego, erst aus der Summe aller Einzelteile entsteht unsere Schöpfung. Das Leben ändert sich mit jedem Tag. Endet das Chaos, endet unser Leben. Respektieren wir endlich das Chaos.

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