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Nur noch 5 Minuten

by Carsten Kreilaus. Average Reading Time: about 3 minutes.

Fünf Minuten scheint die Zeiteinheit schlechthin zu sein? Daher interessant zu sehen, wie die Google-Ergebnisse bei der Suche nach „noch 5 Minuten“ lauten. Wir wollen noch fünf Minuten länger schlafen. Ich habe hierzu eine eigene Facebook Site mit 208.000 Fans gefunden, wow! Fragen die Kollegen nach einem gemeinsamen Mittagessen, heißt es: noch fünf Minuten. Spielen? Noch fünf Minuten, Papa, dann komme ich wirklich. Auch die Werbung ist ergriffen von fünf Minuten: die 5 Minuten-Terrine, von Maggi ’ne gute Idee. 5 Minuten-Filme, -Podcasts, -Rezepte, -Fitnesskurse und -Infos lassen sich googlen. Die U-Bahn fährt alle 5 Minuten. Wir geniessen fünf Minuten Ruhm. In fünf Minuten bin ich angezogen. Deichkind hat diesem Thema 2002 ein ganzes Album gewidmet „Noch 5 Minuten Mutti“. Unsere Arbeitswoche – meistens – fünf Tage. In der Vergangenheit gab es sogar eine 5-Minuten-Uhr von Friedrich Gutkaes, die die Uhrzeit nur im Zeitablauf von fünf Minuten anzeigte. Die heutige Uhr hat die Stunde meist in fünf Minuten-Intervalle eingeteilt und auf dem Ziffernblatt besonders hervorgehoben. Fünf, fünf und nochmal fünf. Sicher gibt es noch zahlreiche weitere Beispiele, gerne Eure Ergänzungen dazu. Die Fünf scheint eine magische Zahl zu sein, die wir im Lauf unseres Werdens lernen und in den Sprachgebrauch übernehmen. Noch fünf Minuten ist im allgemeinen Sprachgebrauch als Standardantwort auf alle möglichen Wie-lange-noch-Fragen verankert. Warum sind ausgerechnet fünf Minuten zur Zeiteinheit schlechthin geworden?

Meine Antwort: Die Fünf gilt als Zahl der Liebe und als unteilbare Summe der männlichen Zahl drei und der weiblichen Zahl zwei. Wir haben fünf Sinne. Fünf Finger und Zehen. Die 10 ist die Basis des Dezimalsystems, das auf die Zahl der zehn menschlichen Finger zurückgeht. Es gibt genau fünf platonische Körper. Fünf ist eines von drei Wörtern – aus rund 500.000 im Deutschen – welches auf „nf“ endet. Die direkten Vorfahren unserer heutigen Ziffern sind die Brahmi-Ziffern aus Indien. Das ursprüngliche Brahmi-Zeichen für die Acht sah aus wie eine nach links oben führende Stufe. In der weiteren Entwicklung ähnelte es zunächst der fünf, bis es bei den Arabern zu einer Acht wurde. Die 5 ist die sechste Zahl der Fibonacci-Folge. Die jeweils nächste Zahl in dieser Folge erhält man als Summe der beiden vorangehenden. Auf die fünf folgt die acht. Acht geteilt durch fünf ergibt das göttliche Maß, den goldenen Schnitt, bei dem ein bestimmtes Verhältnis zwischen zwei Zahlen oder zwei Größen entsteht: ca. 1,6 ist gleich Φ. Zum Beispiel stehen zwei Teile einer Strecke im Verhältnis Φ, wenn sich der größere zum kleineren Teil verhält wie die ganze Strecke zum größeren Teil. Das Verhältnis zweier aufeinanderfolgender Zahlen der Fibonacci-Folge strebt gegen den Goldenen Schnitt. Diese Zahl ist der Inbegriff von Harmonie und Ästhetik und wird seit der griechischen Antike als ideale Proportion in Kunst und Architektur gehandelt. Das griechische Wort für Fünf πέντε/pente findet sich in Fremdwörtern wie Pentagon (Fünfeck) oder Pentagramm (fünfeckiger Stern), welches in einer besonders engen Beziehung zum Goldenen Schnitt steht. Zu jeder Strecke und Teilstrecke im Pentagramm findet sich ein Partner, der mit ihr im Verhältnis des Goldenen Schnitts steht. Das Idealbild der menschlichen Schönheit ist kein absolutes, sondern besteht aus der Beziehung einzelner Teile zueinander, die wiederum den Goldenen Schnitt zeigen. Der vitruvianische Mensch, Leonardos illustrierte und wohl mit die berühmteste Federzeichnung zeigt einen aufrecht stehenden Mensch, der sich sowohl in die geometrische Form des Quadrates wie des Kreises einfügt. Leonardo da Vinci läßt grüßen, übrigens wie ich am 15. April geboren. Die Fünf ist die goldene Mitte, nicht so lang und damit unzumutbar in einer Antwort wie bspw. 10 Minuten, nicht zu kurz, so dass einem Selbst noch ausreichend Zeit verbleibt. Die Höflichkeit bleibt gewahrt und ist damit die Kompromißlösung, wie das Leben selbst. Die Fünf ist die Quintessenz. Die Taktung in 5 Minuten bietet sich damit an. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, warum ausgerechnet die Fünf zur Zeiteinheit schlechthin geworden ist. Was ist eure Lösung?

In diesem meinem Sinne, bis nächsten Sonntag.

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2 comments on ‘Nur noch 5 Minuten’

  1. Timm sagt:

    Toller Blogpost.Ich habe einige frische Gedankenanstoesse bekommen. Freue mich schon auf weitere Posts zum Thema.

  2. Elmar sagt:

    Wahnsinns Artikel.Ich habe einige gute Denkanstoesse gekriegt. Freue mich schon auf neue Posts zum Thema.

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