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Das Unternehmenssteuerrad gehört dem Marketing

by Carsten Kreilaus. Average Reading Time: almost 3 minutes.

Das Marketing ist für alle anderen Abteilungen der gefundene Prügelknabe. Wer hat Schuld? Das Marketing. Wer gibt unser hart verdientes Geld aus? Das Marketing. Wer hat diese schlechte Kampagne verbrochen? Das Marketing. Wer ist die Spaßabteilung? Das Marketing. Selten hört man Gutes über das Marketing. Marketing ist heiße Luft und blabla. Marketing kann jeder. Verstanden hat es keiner. Ein Lob ist das stillschweigende Dulden.

Ich kennen keine genauen Zahlen, meiner Vermutung nach stammt das Gros der Unternehmenslenker nicht aus dem Marketing. Deutschlands Vorstände und Geschäftsführer sind Juristen, Ingenieure und Controller. Deren Know-how stand bisher im Mittelpunkt. Aber: Die Zeiten ändern sich. Wir leben in einer zunehmend digitalisierten Welt. Eine Welt die von der Kommunikation miteinander lebt. Die vom Dialog beherrscht wird. Web 2.0. Social Media. Der Umbruch von der Einweg-Kommunikation hin zum Dialog ist exponentiell. Nicht aufzuhalten. Die Unternehmenswelt liegt nicht mehr im Schatten. Wir steuern auf eine neue Offenheit zu. Ohne Schatten. Ohne Verstecke. Das Netz macht transparent und entlarvt schnell leere Versprechungen. Die Unternehmen geben die Macht in Form ihrer Geheimniskrämerei ab. Damit kehrt der Kunden zurück auf den Thron. Zwar stand der Kunde angeblich schon immer im Mittelpunkt aller unternehmerischen Aktivitäten, aber die Rechnung wurde oft ohne ihn gemacht. Und das, obwohl er die Schlussrechnung zahlt. Der Kunde ist König? Bloße Theorie. Eine Theorie die schleunigst in die Praxis umgesetzt werden muss. Die Technik und das Recht sehen am Ende doch auch den Menschen, sagen sie. Tatsächlich sind sie Sachproblemlöser. Das konnten sich die Unternehmen leisten, so lange es Versteckmöglichkeiten gab. Der Kunde war abhängig vom Erzählten, vom Gezeigten. Ein Kunde hatte wenig Auswirkung. Keine Aufmerksamkeit. Keine Öffentlichkeit. Wie sollte ein Einzelner die breite Masse bewegen? Was zählt da der Einzelne aus Sicht der Unternehmen? Die Öffentlichkeit war irgendwo, die Wirklichkeit allerdings ausgeblendet. Die neue Aufmerksamkeit tritt den Kunden die Macht ab. Sie haben Einfluss. Die Kunden sind immer besser informiert. Sie sprechen auf Augenhöhe und als Experten mit den Produkt´lern der Unternehmen. Einzelne fordern ein Mitspracherecht. Sie lösen eine Sturmflut aus, die sich schnell verbreitet und binnen Stunden die Reputation eines Unternehmens aufzehren kann.

Die Unternehmen klammern sich immer noch an ihre Schattenwelt. Eine Welt, an die die derzeitigen Lenker unbeirrbar festhalten. Die Realität spricht immer öfter eine andere Wahrheit. Der Unternehmensumbau hat längst begonnen. Ob man will oder nicht. Den Unternehmen gleitet die geliebte Kontrolle aus den Händen. Da hilft keine Technik, kein Paragraph und keine Zahlen. Was gefragt ist, ist die Kommunikation. Offen. Ehrlich. Authentisch. Unternehmen müssen loslassen. Fehler eingestehen. Aus Fehlern lernen. Auf den Kunden und seine Wünsche eingehen. Geredet wird auf Augenhöhe mit dem Kunden, die Unternehmen müssen zuhören. Sie können von den Kunden lernen, können deren Bedürfnisse besser bedienen. Sie müssen Beobachter sein. Verstehen. Vorausschauen. Möglichkeiten begreifen. Handeln. Empathie ist gefragt. Nur wer die Kunden versteht, versteht sein Unternehmen erfolgreich auf den Kunden auszurichten. Egoismus liegt dem Marketing fern, kann sich das Marketing nicht leisten. Der eigene Geschmack bleibt vor der eigenen Tür.

Das alles macht per definitionem das Marketing aus. Marketing ist keine Abteilung. Alles ist Marketing. Das Marketing kennt kein Abteilungsdenken, hat das große Ganze vor dem Auge. Denkt übergreifend. Der Kunde ist die Motivation und Treiber. Einzig der Kunde zählt. Kurzum: Die Zeit ist reif für das Marketing das Unternehmenssteuerrad zu übernehmen!

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