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Von Oligarchen und schwarzen Löchern im Internet

by Carsten Kreilaus. Average Reading Time: about 3 minutes.

Das Internet entwickelt sich ständig weiter, die Entwicklungsgeschwindigkeit nimmt dabei exponentiell zu. So fühlt es sich für unser linear geprägtes Denken zumindest an. Tatsächlich ist viel passiert von den Anfängen des ARPAnet hin zum modernen Web 2.0. Grundvoraussetzung hierfür ist natürlich der technologische Fortschritt und die ständig verbesserte Infrastruktur. Vor allem in den Industrienationen sorgt die flächendeckende DSL-Abdeckung für das moderne Web. Ursprünglich geplant ist das Internet als dezentrale Struktur und direkte Demokratie. Für diesen Aufbau wird das Netz auch heute noch gelobt. Aber geht die Entwicklung tatsächlich in diese Richtung oder wählt die Evolution nicht das reale Modell als ihr Abbild?

Social Media und Web 2.0 sind heutzutage Begriffe, die uns wie selbstverständlich über die Lippen gehen. Die netzige Dialog-Orientierung der letzten drei Jahre wird dabei als neue Errungenschaft gefeiert. Fürs Medium als solches sicher richtig. Dies ist indes eine natürliche Entwicklung. Schliesslich ist die zwischenmenschliche Kommunikation ein wesentliches Merkmal unserer selbst. Das Internet ist dabei kein sich selbst steuerndes und denkendes Individuum, sondern ein von Menschenhand geschaffenes Kommunikations-Medium. Damit liegt es doch in der Natur der Dinge, dass wir im Netz das suchen und erwarten, was uns ausmacht – wir so interagieren wollen, wie wir es gewohnt sind.

Auch andere Entwicklungen weisen Parallelen zur Offline-Welt auf. Wie schon erwähnt ist das Internet eine direkte Demokratie und damit per se ein Medium zur Selbst- und Mitbestimmung. Jeder hat die Chance, etwas zu ändern, sofern er handelt. Allerdings ist zunehmend in letzter Zeit eine Sog zu beobachten, hin zu Ökosystemen mit extremer Gravitation. Es hat fast den Anschein als löse sich der Kern des Internets – die Dezentralisierung – auf. Die Rede ist von der Verdichtung hin zu den Machtzentralen des Internets wie Apple, Google, Facebook, Microsoft, Amazon und Ebay. Strahlende Sterne der Wirtschaft und im Netzkosmos die schwarzen Löcher der digitalen Welt. Nichts scheint deren Ereignishorizont durchbrechen zu können, sobald einmal ins Innere gelangt. Diese Singularitäten saugen nicht nur uns User auf und binden uns innerhalb deren Masse, modern Community genannt,  sondern ziehen auch kleinere Sterne in ihr Inneres. Eine Entwicklung, die uns nicht ganz unbekannt sein dürfte, von den realen Beobachtungen der Wirtschaft und ihres Systems. Im Netz scheint gleichermaßen „höher, schneller, weiter“ die zentral treibende Kraft zu sein. Die Konzerne werden immer größer und die Zusammenhänge der Wer-gehört-zu-wem immer intransparenter. Eine Aufmerksamkeit und damit Relevanz haben nur wenige Firmen. Wobei gerade die oben genannten zu den heutigen Offline-Größen gehören und damit die Garde der alten Wirtschaft langsam aber sicher ablöst. Die Neue Wirtschaft übernimmt das Ruder und damit verschmelzen beide Universen immer weiter miteinander. Die eine von der anderen ist nicht mehr zu trennen.

Die Hand voller Gründer der Internet-Polarsterne weisen uns anscheinend den Weg in der Internet-Welt, während die da draußen irgendwie zu groß zu sein scheint. Die Offline-Welt ist doch irgendwie ein Dschungel, nicht mehr überschaubar, in der wir nach Orientierung suchen. Diese liefern uns hell leuchtende Sterne, in der Kommunikation als Marke bezeichnet. Das Internet hat den entscheidenden Vorteil, dass es die Distanz nimmt. Die Welt ist nur ein Klick entfernt und jegliche Information sofort verfügbar. Dies gibt uns allen Möglichkeit, auf alles schnellstens zu reagieren, selbst zu entscheiden und vor allem zu beinflussen. Ein einzelner kann sehr schnell, ohne große Hürden, Reichweite und damit Relevanz aufbauen. Damit liegt es an uns, zu bewegen und zu handeln. Wir bestimmen die Entwicklung des Internets mit, sind vor allem Herr unserer selbst. Bisher gestalten wir das Netz nach und nach als Abbild unserer Wirklichkeit. Ist das alles?

In diesem meinem Sinne, bis nächsten Sonntag.

 

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7 comments on ‘Von Oligarchen und schwarzen Löchern im Internet’

  1. Carsten sagt:

    Die Gravitations Geschwindigkeit nimmt zu, Google übernimmt jede Woche neue Firmen, Yahoo und der Rest kaufen ebenso Firmen, wie andere Kleidung: http://www.wuv.de/digital/google_setzt_auf_kuenstliche_intelligenz

  2. Carsten sagt:

    Das erfolgreichste Netzwerk im Valley. Gestatten: Paypal-Mafia, http://www.manager-magazin.de/fotostrecke/power-netzwerk-silicon-valley-fotostrecke-100481.html

  3. Carsten sagt:

    Sehe mich via t3n bestätigt… „Apple, Microsoft, Google, Amazon: Warum geschlossene Systeme die Zukunft sind [Kommentar]“: http://t3n.de/news/apple-microsoft-google-amazon-401158/

  4. Oli sagt:

    Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung.

  5. Hannes sagt:

    Gutes braucht seine Zeit.

  6. Paul sagt:

    Interessanter Post.Ich habe einige schöne Denkanstoesse gekriegt. Freue mich schon auf neue Beitraege zum Thema.

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