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DAShatSYSTEM

by Carsten Kreilaus. Average Reading Time: almost 7 minutes.

Stellen wir uns nicht öfter die Frage: Was wäre wenn? Was wäre, wenn wir für einen Moment nicht die Augen vor dem Alltag verschliessen, sondern hinter die Kulissen blicken. Immer mit dem Bewusstsein, dass niemand dir je die Wahrheit sagt, jeder erzählt dir seine Version. Wagen wir also einen Blick hinter das System von Schein und Sein, damit dieses Gedankenexperiment uns anregt Offensichtliches ändern zu wollen….

Die Realität ist nur eine Illusion, allerdings eine ziemlich hartnäckige. Albert Einstein

Alles ist möglich

Was gehört zu wem? Augenscheinlich gibt es eine Vielfalt an Produkten, eine Vielzahl an Produzenten und Unternehmen. Aber agieren diese selbstständig? In der Realität leben wir in einer Finanz-Oligarchie. Die heimlichen Bestimmer sind die Finanzkonzerne. Dafür muss man der Spur des Geldes folgen. Einem kleinen Teil dieser Akteure gehört fast alles. Der größte unter ihnen verwaltet eine Kapitalsumme die das Zehnfache des deutschen Bundeshaltes übersteigt. Sie sind an fast allen deutschen Konzernen beteiligt und Mehrheitsaktionär bei einem guten Drittel der DAX-30 Unternehmen. Deren Leitbild ist klar: Profitmaximierung. Immer mehr. Dieses globale Finanznetzwerk kontrolliert längst unsere Wirtschaft und Politik. Eine Handvoll der verschwiegenen grauen Herren bestimmen die Hälfte der Weltwirtschaft. Geregelte Märkte sind in dem Metier verpönt, volatile versprechen höhere Spekulationsgewinne. Die Frage und Antwort jeder Krise ist: Wer profitiert davon? Geld regiert eben doch die Welt. Davon gehört haben die wenigsten.  #DAShatSYSTEM.

Bleiben wir beim Thema Geld, genauer bei den Zinsen. Abgesehen davon,  dass wir derzeit kaum Sparzinsen erzielen, gibt es ein ganz anderes Problem: in Deutschland sind rund 15 Prozent der Bevölkerung Zinsgewinner, der Rest von uns zahlt mehr Zinsen, als er gewinnt. Das Zins- und Zinseszins-System ist eine gigantische Umverteilungsmaschine. #DAShatSYSTEM.

Es gibt Diskussionen das Bargeld abschaffen, um der Schattenwirtschaft, der Steuerhinterziehung und illegalen Geschäften Einhalt zu gebieten. Vermutlich verfolgen die Befürworter dieses Ziel tatsächlich, glauben daran und ignorieren, dass dem Rest von uns dadurch die Freiheit genommen wird. Die Politiker können uns von heute auf morgen den Geldhahn per Gesetz zudrehen, keine Chance mehr an unser Geld zu kommen, abgesehen von der orwellschen Kontrollmöglichkeit und der Möglichkeit Negativzinsen einzuführen. #DAShatSYSTEM.

Der Lebensmitteleinkauf ist unser mehr oder weniger tägliches Brot. Ob Discounter, Super- oder Biomarkt entscheiden die persönlichen Umstände, Wünsche und das Portemonnaie. Was uns beim Einkauf allerdings wenig, bis gar nicht bewusst ist, ist das 90 Prozent des deutschen Lebensmittelhandels in den Händen von nur 5 Big Playern liegt. Edeka, REWE, Metro, Aldi und Lidl diktieren uns das Geschehen. Das Bundeskartellamt hat erst vor kurzem eine hohe Strafe wegen Preisabsprachen gegen einige der Großen ausgesprochen. Ist auch einfach zu verlockend, weil zu gewinnträchtig und die Wahrscheinlichkeit des Erwischt- und Bestraftwerdens im Vergleich zum Gewinn muss bei einer Profithörigkeit abgewogen werden. #DAShatSYSTEM.

Bleiben wir beim Einkauf. Die großen Supermarktketten haben ihre Eigenmarken – „White-Label“ – Produkte ausgebaut, die günstiger als die Markenware angeboten werden. Dagegen spricht nichts, nur das zum Teil die White-Label-Produkte identisch mit den Markenprodukten sind. Neuerdings gibt es auch Premium-Produkte als Eigenmarke im Regal zu finden. Der Name suggeriert ein höhenwertiges Produkt, im Inneren finden sich zum Teil aber wieder die identische Markenware. Ein Produkt, drei Preise. #DAShatSYSTEM.

Weiter geht es mit den Lebensmitteln. Es liegt in unserem Interesse zu wissen, was wir essen, wie wir unseren Körper ernähren. Dafür gibt es auf den Verpackungen Produktinformationen, die aber für uns Otto-Normalverbraucher kaum verständlich sind. Für Palmöl oder palmölhaltige Inhaltsstoffe gibt es weit über 50 verschiedene Begriffe. Auch die Herkunft des Fleisches bleibt zumeist verborgen. Zwar gibt es einen Prüfstempel, der kennzeichnet aber nur den Verarbeitungsort, nicht aber wo und wie das Tier herkommt. Warum ist in fast allen Lebensmitteln Zucker drin? Ist das notwendig oder einfach nur verdammt gute Lobbyarbeit. Ähnlich geht es mir mit dem Pärchen Zusatzstoffe und Konservierungsstoffe. Warum, warum? Haltbarkeitsmachung könnte die Antwort sein. Wollen wir denn nicht natürlich essen? Warum ist im Käse keine Milch und im Erdbeere-Joghurt Sägespäne und Aromastoffe statt echte Erdbeeren. #DAShatSYSTEM.

Mein Lieblingsthema: die Verpackungen. Wenn ich mir anschaue, was an Plastik, Papier, Glas, Rest- und Bio-Müll Woche für Woche in den Containern verschwindet, beschleicht mich ein ungutes Gefühl. In Deutschland trennen wir, aber in wie vielen anderen Ländern gibt es keine Mülltrennung? Aus welchem Grund ist die frische Ware in den Supermärkten immer öfter in Tiefziehverpackungen eingeschweißt. Auch hier die Frage nach der Notwendigkeit und vor allem Verhältnismäßigkeit. Müssen die Lebensmittel wirklich so lang haltbar sein oder ist es uns nicht zumutbar zielgerichteter einzukaufen. Die Verpackungen haben viel Luft im Inneren, werden kleiner und kosten noch immer das gleiche. Sie sind bunt und feilschen im Regal um unseren Griff. Apropos Regal: warum stehen welche Produkte oben oder unten oder in der Mitte. Ist die Platzierung eine reine Methodik oder zahlungspflichtiger Bestandteil der Produzenten, die ihre Produkte verkaufen wollen? Warum gibt es in der Frischeabteilung beim Discounter eigentlich keine Waage? Liegt es daran, dass das Nettogewicht bei Obst und Gemüse nicht den Angaben entspricht? Zwei fehlende Himbeeren in einer Schale sind nicht die Welt. Hochgerechnet auf die gesamte Herstellercharge bedeutet das einen Margengewinn und eine Dreistigkeit gegenüber dem Verbraucher. Und warum landen so viele Lebensmittel – in Deutschland ist laut WWF von 18 Millionen Tonnen die Rede, von denen 10 Millionen Tonnen vermeidbar sind – im Müll, obwohl und trotz abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum essbar? #DAShatSYSTEM.

Ökorrekt? Weit gefehlt. Zwar sind die Bezeichnungen Öko, Bio, ökologisch, biologisch und aus kontrolliert ökologisch/biologischem Anbau geschützt. Es gibt daneben eine Vielfalt von Öko-Bio suggerierenden Bezeichnungen, wie „naturnah“, „alternativ“ oder „aus kontrolliertem Anbau“. Diese sind keine Garantie für die Öko-Qualität. Nach welchen Kriterien hier kontrolliert wird, entscheidet allein der Erzeuger. Die Abbildungen auf den Verpackungen gaukeln oft eine Welt vor, wecken Erwartungen, die das Produkt nicht halten kann. Auch andere Begrifflichkeiten wie light, reduziert, leicht, sind kein Garant für die damit verbundene Vorstellung beim Käufer. Seit Bio im Trend liegt, scheint bio auch nicht mehr gleich bio zu sein. Wie kann ich sicher sein, damit einen Beitrag für die Natur zu leisten, wenn Bio wegen dem Profit produziert wird und von der Kennzeichnungsfälschung, bis zu langen Transportwegen alles dabei ist. Wichtig wäre eine regional nachhaltige und saisonale Landwirtschaft. Die Einkäufer dieser Waren müssten allerdings bereit sein einen höheren Preis zu bezahlen, daran mangelt es. Um biologische Lebensmittel preisgünstig anbieten und den Trend bedienen zu können, stammt ein Großteil der Produktion aus Agrarfabriken oder wird aus fernen Ländern importiert. Und was sollen die ganzen Siegel bedeuten? Da blickt niemand durch, schon gar nicht hinter die Auswirkungen auf Umwelt und Produktion durch die damit verbundenen Auflagen und Verpflichtungen. #DAShatSYSTEM.

Gehen wir weg von den Lebensmitteln, hin zur Politik. Warum erzählen die Politiker uns was wir hören wollen, beschliessen aber etwas anderes? Weil nach der Wahl vor der Wahl ist. Kaum sind unsere Repräsentanten gewählt, geht die offene Tür zu und die Besprechungen werden am runden Tisch mit Wirtschaft und Lobby ausbaldowert, im und zum Wohl des Volkes. Willkommen in der Demokratie. Es lebe der mündige Bürger. Unsere Partizipation ist auf die Wahl beschränkt, die weitere Mitsprache unerwünscht. Da prallen unterschiedlichste Interessen aufeinander, die sich zu Kompromissen formen. Am Ende ist die Gesetzgebung entweder zahnlos oder übereifrig, fast immer nicht auf die längere Zukunft ausgerichtet. Generell denkt die Politik – ähnlich dem Shareholder Value – kurzfristig und eigennützig. #DAShatSYSTEM.

Der Schein hat also durchaus seine Methode. Die Welt ist weniger kompliziert, als uns eingeredet wird. Warum, wieso, weshalb? Diese einfachen Fragen hat uns die Sesamstraße bereits im Kindesalter gelehrt. Wenn wir die Alltäglichkeiten hinterfragen, die Fassaden nicht akzeptieren, fordern, können wir durch Nachdenken und Handeln alles Gute besser machen. Es ginge – trotz politischer und unternehmerischer Ausreden – sicher jede Menge transparenter, ehrlicher und fairer, wenn nur alle wollten und der Profit dem nicht entgegenstünde. Schlussendlich gibt es immer einen der es macht und einen der es mit sich machen lässt. Und nicht vergessen: Mut ist ansteckend!

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